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DATEX II einfach erklärt: die Schnittstelle für Verkehrs- und Ladedaten

Wer mit Verkehrsdaten oder Daten zu öffentlichen Ladepunkten arbeitet, stößt früher oder später auf DATEX II. Der Name klingt nach einer einzelnen Schnittstelle, gemeint ist aber ein ganzer europäischer Standard: ein Datenmodell plus Regeln dafür, wie Daten zwischen Systemen ausgetauscht werden. Spätestens seit dem 14. April 2026 betrifft er auch die Elektromobilität, denn seitdem müssen Betreiber öffentlich zugänglicher Ladepunkte ihre Daten im DATEX-II-Format bereitstellen.

Dieser Beitrag erklärt den Standard verständlich, zeigt, wie das deutsche Profil für Ladeinfrastruktur auf der Mobilithek aufgebaut ist, und beschreibt, worauf es ankommt, wenn Sie DATEX-II-Daten liefern oder in einer eigenen App oder einem Portal nutzen wollen. Die Angaben stützen sich auf die offizielle DATEX-II-Dokumentation, die Profil-Dokumentation der Mobilithek und die Durchführungsverordnung (EU) 2025/655.

Kurz beantwortet: DATEX II ist der europäische Referenzstandard für den Austausch von Straßenverkehrs- und Reiseinformationen, genormt in der Reihe EN bzw. CEN/TS 16157. Er beschreibt, wie Daten aufgebaut sind und wie sie per Push oder Pull ausgetauscht werden. Für Ladepunkte schreibt die Durchführungsverordnung (EU) 2025/655 seit dem 14. April 2026 das DATEX-II-Datenmodell vor; in Deutschland laufen die Daten über die Mobilithek, als JSON in zwei Publikationen: einer statischen für Standorte und Technik und einer dynamischen für Belegung, Status und Ad-hoc-Preis.

Was DATEX II ist

DATEX II ist ein Datenstandard für Verkehrsinformationen: Baustellen, Sperrungen, Unfälle, Messwerte von Zählstellen, Parkplätze, Verkehrsregeln und inzwischen auch Energieinfrastruktur wie Ladepunkte. Laut offizieller Dokumentation begann die Entwicklung Ende 2003, unterstützt und teilfinanziert von der Europäischen Kommission. Version 1.0 erschien Ende 2006, Version 2.0 wurde 2011 zur technischen Spezifikation CEN/TS 16157, die dritte Version 2018 zur Europäischen Norm EN 16157.

Ursprünglich tauschten vor allem Verkehrszentralen und Straßenbehörden Daten über DATEX II aus, und zwar für Autobahnen und Fernstraßen. Inzwischen richtet sich der Standard ausdrücklich auch an Diensteanbieter aller Art und deckt städtische Netze ab. Das ist der Grund, warum er heute für Navigations-, Mobilitäts- und Lade-Apps relevant ist.

Die Teile der Norm

DATEX II ist mehrteilig. Jeder Teil beschreibt einen Themenbereich, die meisten davon eine eigene Art von „Publikation“, also einen Datensatztyp. Nach einer Übersicht des Bundesverkehrsministeriums (Stand August 2024) gehören dazu unter anderem:

  • Teil 1 bis 3: Rahmen, Ortsreferenzierung (wie ein Ort im Straßennetz beschrieben wird) und Verkehrsereignisse
  • Teil 4 und 5: Wechselverkehrszeichen sowie gemessene und berechnete Verkehrsdaten
  • Teil 6: Parken
  • Teil 7: gemeinsame Datenelemente
  • Teil 8 und 9: Verkehrsmanagement und Lichtsignalanlagen
  • Teil 10: Energieinfrastruktur, also Lade- und Tankpunkte
  • Teil 11 und 12: maschinenlesbare Verkehrsregeln und ortsbezogene Einrichtungen

Für Ladedaten ist Teil 10 entscheidend. Die Durchführungsverordnung (EU) 2025/655 verlangt mindestens die Spezifikation CEN/TS 16157-10:2022.

Profile: niemand nutzt den ganzen Standard

Kein System setzt alle Teile um. Die DATEX-II-Dokumentation sieht deshalb Profile vor: Wer eine DATEX-II-Lösung baut, wählt die Teilmenge an Publikationen aus, die er braucht. Die gemeinsamen Teile bleiben dabei austauschbar. Für die Praxis bedeutet das: „Wir sprechen DATEX II“ sagt wenig. Entscheidend ist, welches Profil in welcher Version gemeint ist.

Wie der Austausch technisch funktioniert

DATEX II definiert drei Betriebsarten für den Austausch:

  • Push bei Änderung: Der Datengeber sendet, sobald sich etwas ändert.
  • Periodischer Push: Der Datengeber sendet in festen Abständen.
  • Pull: Der Empfänger fragt an und erhält die Daten als Antwort, direkt über HTTP oder über Web Services.

Die Daten selbst können als XML oder als JSON kodiert sein; das deutsche Ladeinfrastruktur-Profil setzt auf JSON. Was in der Praxis Aufwand macht, ist weniger das Format als das Modell dahinter: tief verschachtelte Strukturen, viele optionale Felder und Unterschiede zwischen Versionen und Herausgebern.

BegriffBedeutung
Publikationein Datensatztyp, z. B. Verkehrsereignisse oder Ladeinfrastruktur-Bestand
Profildie ausgewählte Teilmenge des Standards, mit eigener Versionsnummer
Snapshotvollständiges Abbild aller Objekte zu einem Zeitpunkt
Deltanur die geänderten Objekte seit der letzten Lieferung
Nationaler Zugangspunktzentrale Plattform eines Mitgliedstaats für Mobilitätsdaten, in Deutschland die Mobilithek

DATEX II und die AFIR: was für Ladepunkte gilt

Die europäische Verordnung über den Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe (AFIR, Verordnung (EU) 2023/1804) verpflichtet Betreiber öffentlich zugänglicher Ladepunkte in Artikel 20, seit dem 14. April 2025 statische und dynamische Daten zu ihrer Infrastruktur kostenfrei verfügbar zu machen. Die Mitgliedstaaten stellen sie über ihren nationalen Zugangspunkt bereit; in Deutschland ist das die Mobilithek des Bundesministeriums für Verkehr.

Wie die Daten aussehen müssen, regelt die Durchführungsverordnung (EU) 2025/655 vom 2. April 2025:

  • Format: ab dem 14. April 2026 das Datenmodell für alternative Kraftstoffe im DATEX-II-Format, mindestens nach CEN/TS 16157-10:2022 (Artikel 1).
  • Häufigkeit: statische Daten spätestens 24 Stunden nach einer Änderung, dynamische Daten spätestens eine Minute danach (Artikel 2).
  • Qualität: vollständig, richtig, konsistent, aktuell und zuverlässig; die Betreiber müssen dafür eigene Qualitätskontrollen einrichten und bleiben auch dann verantwortlich, wenn sie die Lieferung an Dienstleister auslagern (Artikel 3).

Mehr zu den übrigen Pflichten der Verordnung lesen Sie in unserem AFIR-Leitfaden.

Das deutsche Profil auf der Mobilithek

Im August 2025 wurde das DATEX-II-Profil „Elektro-Ladeinfrastruktur“ der Mobilithek in Version 01-00-00 veröffentlicht. Dokumentation, JSON-Schemas und kommentierte Beispieldateien gibt es zum Download auf der Mobilithek und in einem GitHub-Repository. Das Profil basiert auf DATEX II Version 3.5 und Teil 10 der Norm, wurde aber an die aktuelle EU-Gesetzgebung angepasst. Diese Änderungen sollen in eine künftige Fassung der Norm einfließen.

Zwei Publikationen

Das Profil besteht aus zwei Teilen, die auf der Mobilithek als getrennte Angebote angelegt werden:

  • Statische Publikation (EnergyInfrastructureTablePublication): Standort, Betreiber, Betriebszeiten, Anzahl und Typen der Stecker, Leistung, Bezahlmöglichkeiten und Tarife. Sie wird bei jeder Änderung vollständig übertragen.
  • Dynamische Publikation (EnergyInfrastructureStatusPublication): ob ein Ladepunkt betriebsbereit ist, ob er frei, belegt oder reserviert ist, und der aktuelle Ad-hoc-Preis in Euro pro kWh oder pro Ladevorgang samt weiterer Preisbestandteile.

Die Hierarchie: vom Ladehub bis zum Stecker

Die statischen Daten sind verschachtelt: Eine Publikation enthält mindestens eine Tabelle, darin Ladehubs (ein zusammengehöriges Gelände wie ein Parkplatz oder Parkhaus, notfalls eine einzelne Säule), darin Ladestationen, darin Ladepunkte und darin Stecker. Jeder Ladepunkt braucht eine EVSE-ID im Format nach ISO 15118-2, angegeben am Ladepunkt oder am Stecker.

Wichtig für jede Software, die diese Daten verarbeitet: Elemente tragen eine ID und eine Version. Die Version muss bei jeder Änderung hochgezählt werden, und die dynamische Publikation verweist immer auf ein Paar aus ID und Version. Neue Ladepunkte entstehen nie in den dynamischen Daten, sie müssen vorher im statischen Teil stehen.

Snapshot und Delta

Weil sich Belegung und Status ständig ändern, darf die dynamische Publikation als Delta geliefert werden, also nur für die Stationen, bei denen sich etwas geändert hat. Spätestens nach 24 Stunden ist ein vollständiger Snapshot fällig. Datengeber können über die Mobilithek per Push liefern (empfohlen) oder einen eigenen Server bereitstellen, den die Mobilithek abruft.

Wenn Sie DATEX-II-Daten nutzen wollen: App, Portal, Analyse

Für Datennutzer ist die Lage eine andere als für Betreiber. Sie müssen nichts melden, aber die Daten zuverlässig einlesen. Die Profil-Dokumentation gibt dafür einen klaren Hinweis: Beim ersten Abruf per Pull sollen Empfänger über den in der Profil-Dokumentation beschriebenen Mechanismus „last-modified-since“ (zeitbasierte HTTP-Abfrage) schrittweise zurückgehen, bis sie den letzten Snapshot haben, und danach alle seither aufgelaufenen Deltas nachziehen. Bei einem Push-Abonnement sendet die Mobilithek die Deltas selbst.

Aus unserer Arbeit an einer Lade- und Strompreis-App haben sich einige Grundsätze bewährt:

  • DATEX II endet an der Systemgrenze. Ein Importer liest die Publikationen, prüft sie gegen das Schema und übersetzt sie in ein eigenes, schlankes Datenmodell. Die Apps auf iOS und Android sprechen kein DATEX II, sondern eine schmale eigene API.
  • Nur Änderungen verarbeiten. Jeder Durchlauf wird gegen den zuletzt bekannten Stand verglichen. So werden nur echte Änderungen weiterverarbeitet.
  • Stabile IDs ernst nehmen. Wechseln Kennungen zwischen zwei Lieferungen, springen Punkte auf der Karte oder erscheinen doppelt.
  • Herkunft und Zeitstempel mitführen. Ein Wert ist nur so aktuell wie seine Quelle und der letzte Abruf. Wer das speichert, kann in der App ehrlich anzeigen, wie alt eine Angabe ist, und Fehler bis zur Quelle zurückverfolgen.
  • Preise sind selten eine Zahl. Tarife setzen sich oft aus Arbeits-, Zeit- und Grundpreis zusammen; das Datenmodell sollte das abbilden, statt einen Einzelwert zu erzwingen.
  • Große Dateien streamen. Vollständige Momentaufnahmen werden schnell groß. Sie sollten schrittweise gelesen werden, nicht als Ganzes im Arbeitsspeicher.

Wie ein solches Backend aufgebaut sein kann, beschreibt die Case Study im Detail. Allgemeine Fragen zur Auswahl eines Partners beantwortet unser Ratgeber Backend-Entwicklung beauftragen.

DATEX II, OCPI und Co.: was wofür da ist

In der Elektromobilität begegnen Ihnen mehrere Standards, die oft verwechselt werden. Der wichtigste Unterschied:

  • DATEX II dient der Bereitstellung von Verkehrs- und Infrastrukturdaten über nationale Zugangspunkte. Für Ladepunkte ist es seit April 2026 das vorgeschriebene Format.
  • OCPI (Open Charge Point Interface) regelt das Roaming zwischen Ladepunktbetreibern und Mobilitätsdienstleistern: Autorisierung, Ladepunktinformationen, Ladedatensätze für die Abrechnung und Smart Charging. Die aktuelle Version ist OCPI 2.3.0 (Stand Oktober 2026).

Ein Betreiber, der Roaming anbietet, braucht in der Regel beides. Für eine App, die Ladepunkte und Preise anzeigt, ist DATEX II über die Mobilithek eine öffentlich zugängliche Quelle.

Typische Stolpersteine

  • Version nicht festgehalten: Profile entwickeln sich weiter. Jede angebundene Quelle sollte mit Profil und Version dokumentiert sein, damit ein Update nicht unbemerkt den Import bricht.
  • Optionale Felder als Pflicht behandelt: Vieles im Modell ist optional. So hat die Mobilithek mit Revision 1 der Dokumentation die beiden IDs der Bundesnetzagentur von „verpflichtend“ auf „optional“ gestellt. Code, der sich auf solche Felder verlässt, fällt bei manchen Betreibern aus.
  • Deltas ohne Ausgangsstand: Wer nur Deltas verarbeitet und nie einen Snapshot geladen hat, kennt den Gesamtbestand nicht.
  • „Aktuell“ versprochen, ohne es zu prüfen: Die Verordnung schreibt den Betreibern Fristen vor. Ob eine Quelle sie einhält, sollten Sie anhand der Zeitstempel selbst beobachten.

Unterstützung bei DATEX-II-Projekten

SB-Techworks entwickelt Apps und Backends aus Regensburg für Kunden in ganz Deutschland. Mit DATEX II haben wir in der Lade- und Strompreis-App praktisch gearbeitet: Import, Normalisierung und Auslieferung an iOS und Android. Sie sprechen dabei direkt mit der Entwicklung, ohne Vertriebs- oder Projektmanagement-Ebene dazwischen. Wenn Sie DATEX-II-Daten in eine App, ein Portal oder ein internes System bringen wollen, finden Sie mehr zu unserer Backend-Entwicklung oder schreiben Sie uns über die Kontaktseite; wir antworten werktags innerhalb von 24 Stunden.

Häufig gestellte Fragen zu DATEX II

Ist DATEX II eine API?

Nicht im engeren Sinn. DATEX II legt vor allem fest, wie die Daten aufgebaut sind (Datenmodell) und auf welchen Wegen sie ausgetauscht werden können, etwa per Push oder Pull über HTTP. Wie ein konkreter Zugangspunkt den Abruf organisiert, regelt dessen eigene Schnittstellenbeschreibung, in Deutschland die der Mobilithek.

Seit wann müssen Ladepunktbetreiber DATEX II nutzen?

Seit dem 14. April 2026. Die Pflicht, statische und dynamische Daten kostenfrei bereitzustellen, gilt nach Artikel 20 AFIR schon seit dem 14. April 2025. Die Durchführungsverordnung (EU) 2025/655 schreibt zusätzlich vor, dass die Daten ab dem 14. April 2026 im DATEX-II-Datenmodell vorliegen, mindestens nach CEN/TS 16157-10:2022.

Kommen DATEX-II-Daten als XML oder als JSON?

Beides ist möglich, DATEX II unterstützt XML und JSON. Das deutsche AFIR-Profil für Ladeinfrastruktur auf der Mobilithek verwendet JSON mit JSON-Schema. Andere DATEX-II-Quellen liefern XML; in unserem Projekt zur Lade-App etwa kamen die angebundenen Publikationen als XML. Ein Importer sollte deshalb pro Quelle wissen, welches Format und welche Version er erwartet.

Was ist der Unterschied zwischen DATEX II und OCPI?

OCPI ist ein Protokoll für das Roaming zwischen Ladepunktbetreibern und Mobilitätsdienstleistern: Autorisierung, Ladepunktinformationen, Abrechnungsdatensätze. DATEX II dient der öffentlichen Bereitstellung von Verkehrs- und Infrastrukturdaten über nationale Zugangspunkte. Viele Betreiber brauchen beides, für unterschiedliche Zwecke.

Wie schnell müssen Daten zu Ladepunkten aktualisiert werden?

Nach Artikel 2 der Durchführungsverordnung (EU) 2025/655 sind statische Daten spätestens 24 Stunden nach einer Änderung zu aktualisieren, dynamische Daten wie Belegung oder Ad-hoc-Preis spätestens eine Minute danach. Wie aktuell ein Wert in einer App ist, hängt zusätzlich davon ab, wie oft die App die Daten abruft.